Welche Rechtsform bei der Gründung?

Die Annahme, dass die klassische Rechtsform für eine Gründung in Deutschland die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) sei, hält sich relativ hartnäckig. Folglich will die Entscheidung für die Rechtsform eines jungen Unternehmen gut überlegt sein. Doch gerade die GmbH mit der damit verbundenen Komplexität muss für ein junges Unternehmen nicht die beste Wahl sein.

Unterschiedliche Kriterien sollten bei der Definition, welche Rechtsform die Plattform der eigenen Ideen sein soll, berücksichtigt werden.

Grundsätzlich unterscheidet man in Deutschland zwischen Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.

Im Falle von Einzelunternehmen und Personengesellschaften haften der Einzelunternehmer bzw. die Gesellschafter für die Schulden des Unternehmens mit Ihrem persönlichen Vermögen. Das klingt im Grunde schlimmer als es ist. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass eine Bank im Falle eines Darlehens ohnehin die Haftung der beantragenden Personen für das Darlehen einfordern wird. Abgesehen von den, in Form von Darlehen, geplanten „Schulden“, haften die Gesellschafter oder Aktionäre von Kapitalgesellschaften nur in der Höhe Ihrer Einlagen, z.B. für das Stammkapital, und die Gesellschaften als Ganzes bis zur Höhe des Gesellschaftsvermögens.

Personengesellschaften

  • Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR)
  • Kommanditgesellschaft (KG)
  • Offene Handelsgesellschaft (OHG)
  • Partnergesellschaft (PartG)
  • GmbH & Co. KG.

Kapitalgesellschaften

  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • Unternehmergesellschaft (UG) (haftungsbeschränkt)
  • Aktiengesellschaft (AG)
  • Europäische Aktiengesellschaft (SE)

Wie kann ein Unternehmensgründer unter dieser Vielzahl der Optionen die richtige Rechtsform für sein Unternehmen herausfinden?

Auch hier gilt der Grundsatz „wenn man weiß, was man tut, kann man tun, was man will“. Die einzig richtige Rechtsform gibt es zunächst nicht.

Führen Sie sich vor Augen, wie Ihr Unternehmen aussehen soll.

shield-492989_1280Wer soll sich beteiligen? Wollen Sie Partner, die aktiv mitbestimmen oder brauchen Sie nur Kapital?

Welche potenziellen Schulden wollen Sie beschränken – haben Sie viele Lieferanten? Mitarbeiter? Hohe Haftungsrisiken in Ihren Produkten oder Dienstleistungen?

Welches Image wünschen Sie sich, darf es auch gern etwas mehr und größer sein?

Wollen Sie Ihr Unternehmen nach außen transparent machen und den Status publizieren? Oder vielleicht auch eher nicht? Scheuen Sie Formalitäten? Wie viel Zeit, wie viel Geld möchten Sie für Buchhaltung ausgeben?

Sobald Sie diese Fragen für sich beantwortet haben, informieren Sie sich über die Spielregeln der einzelnen Rechtsformen. Hierfür finden Sie viele Antworten im Netz. Fündig werden Sie bei Ihrer jeweiligen IHK, in den Publikationen des BMWI oder bei einer guten Unternehmensberatung. Letztere kann Sie neben dieser Fragestellung auch in allen übrigen Fragen beraten.

Wichtig ist in jedem Falle darüber hinaus die Erörterung Ihrer Pläne mit einem engagierten Steuerberater. Denn jede Rechtsform hat prinzipiell andere steuerliche Vor- und Nachteile.

Schließlich entscheiden Sie sich vielleicht doch für eine OHG, weil für Ihr Haftungsrisiko eine gute Betriebshaftpflichtversicherung ausreicht. Oder sie entscheiden sich für eine KG, weil der eine Teilhaber sich zwar materiell, aber nicht aktiv am Management des Unternehmens beteiligen soll.

Jede Entscheidung, die Sie treffen, kann in Deutschland mit einem im Ländervergleich niedrigem Aufwand angepasst werden. Auch wenn es einfacher sein dürfte, unkompliziert mit einem Einzelunternehmen oder einer Personengesellschaft zu starten, als die Komplexität einer Kapitalgesellschaft wieder zurückzuführen.

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